Die Kirche von 1936 erstrahlt im neuen Glanz

Endlich habe auch ich es geschafft, unserer Nachbargemeinde einen Besuch abzustatten und die komplett neu gestaltete katholische Kirche St. Josef in Horgen – am Zürichsee – auf mich wirken zu lassen. Vier Monate nach ihrer offiziellen Neueinweihung, ging ich an einem goldenen Herbsttag in die hellen Innenräume und verbrachte eine längere Zeit darinnen.

Die Kirche wirkt erstaunlich gross auf mich. Die Luft war innen kühler als an diesem warmen Herbsttag draussen – trotz offener Türen. Die bunten Lichter, die durch die Glasfenster auf die Bänke fielen, zeigten mir auf, worum es geht: «Sich mit dem lebendigen LICHT Gottes zu verbinden»! Besser konnten mir das auch die imposanten messingfarbenen Statuen (Maria und Josef von 1934, die man wieder hervorholte und strahlend in Szene setze) und symbolträchtigen Papyrusrollen nachempfundenen Gegenstände nicht vermitteln.

Interessant sind die vielen eng aneinander gereihten Wörter auf Latein und Deutsch, die im Chorraum in einer besonderen Schriftart (Sgraffito) in die Wand geritzt wurden. Allerdings bieten die Schriftzüge als Ganzes kein Anfang und kein Ende, es macht eher Mühe, etwas davon zu lesen… Hoppla, das ist vermutlich genauso gedacht worden!?

Die Kirche stammt von 1933 und wurde vom Architekten Anton Higi entworfen. Der neue Entwurf von 2016 kam von Miroslav Sik.

Ich habe mich unwillkürlich gefragt, wie ich selbst eine Kirche konzipieren würde. Natürlich geht es in erster Linie um einen «mystischen Leib Gottes», der durch alle Getauften entsteht. Dennoch muss die innere letzte Form, der wir entgegen leben, vorher durch äussere und innere Impulse auch gestalterisch erschaffen werden. Wie also sähe mein Kirchenentwurf aus? Ich habe grosse Lust, Skizzen zu entwerfen.

Eines weiss ich schon heute: Sie wäre rund. In der Mitte wäre ein kreisförmiger Altar, aus welchem «eine Quelle» entspringen und in vier Armen am Altar herabfliessen und den ganzen Kirchenraum durchziehen würde. An den Mauerrändern der runden Kirche, würden die Arme des Wassers durch die (unten gläsernen) Mauern gehen und auch den Aussenraum zu einer paradiesischen Parklandschaft gestalten. Der Innenraum wäre durch diese «Wasserläufe» gegliedert, so dass verschiedene «Inseln» entstehen würden, die aber alle miteinander in Verbindung sind.

So könnten auf einer «Insel» Meditationsbänke oder Kissen sein, auf einer anderen Stühle oder Sessel, oder – ganz klassisch – auch gewisse Reihen von Kirchenbänken. Die Lieder würden auf Displays erscheinen. Auf selbigen könnten während den Gottesdiensten Fürbitten eingegeben werden, oder Rückfragen an das Tagesevangelium. Die Gottesdienstvorsteher könnten dann jeweils in einem Teil der Liturgie darauf reagieren und die Gemeinde besser einbeziehen.

Mir schwebte auch vor, dass auf den Inseln ein besonderer Platz für Gehörlose und Blinde mit hilfreichen Equipment entstünde. Auf den Displays wäre es möglich, die Liedtexte in Blindenschrift zu lesen. Oder dem Gottesdienst simultan in Gebärdensprache (oder einer anderen Muttersprache) zu folgen.

Es ginge mir darum, dass alle einen Platz fänden, an dem sie sich wohl fühlen und sich dem Geheimnis Gottes mit allen Sinnen annähern.

11.10.17 Sabine Zgraggen