Wo der Drache dich nicht ängstigt – und deine Seele zur Ruhe kommt

Wer den Schwarzsee erreicht, landet zunächst in einer Sackgasse. Einer wunderschönen – zugegeben. Das Auto bleibt am besten gleich eingangs auf dem grossen Parkplatz stehen – danach belohnt einen das tiefe Gefühl des Angekommen seins. Alles erscheint überschaubar und das vermittelt Sicherheit. Der dunkelgrüne See präsentiert sich perfekt eingebettet und umringt von Bergen und Wald. Nichts Spektakuläres beleidigt das Auge, ein Ort der die Seele sofort einlädt zur Ruhe zu kommen.

Bei den Unterkünften kann zwischen einem Campingplatz (8,- Fr die Nacht), einem Jugend-Campus und einem 4-Sternhotel (http://www.hostellerieamschwarzsee.ch/de) gewählt werden. Das Eigentliche passiert aber erst, wenn man diesen überschaubaren Ort zu Fuss umrundet und die wunderschönen, wie von einem Maler gestalteten Elemente, auf sich wirken lässt. Die Entschleunigung tritt sofort ein.

Egal ob man sich entschliesst links- oder rechtsseitig den See zu umrunden, niemand kommt letztlich «am bösen Drachen» vorbei, der übermenschlich gross oberhalb eines Felsens prangt und dessen rot leuchtende Augen, wasserspeiende Nüstern und donnernden Geräusche dunklen Ahnungen Raum geben! Wie gut, wenn man vorab – oder hinterher – in einer Dankesgrotte, die ebenfalls ihren Platz hat, ein Lichtlein anzünden und Frieden mit sich und der Welt schliessen konnte! Eine Familie hat diese Mariengrotte vor rund 90 Jahren gestiftet, nachdem sechs ihrer Kinder an Lungenerkrankungen starben und die restlichen am höher gelegenen Schwarzsee überlebten.

Auch andere Plätze laden zum Verweilen und Nachdenken ein. Ich schaue einem Angler zu, der geduldig im Wasser steht – oder den sich stets verändernden Wolkenbildern, die ihre Schatten auf die Bergmatten werfen. Eine winzige Kröte stellt sich mir in den Weg, ob er einst ein «Froschkönig» wird – erscheint hier eine reale Möglichkeit. Ein seltener Schmetterling landet neben mir. Kuhglocken und ein einziger Paragleiter – der eine Landestelle sucht und immer engere Kreise zieht – runden diese Kulisse ab. Nachts kann das gigantische Sternenmeer unbehelligt leuchten – eine Sternschnuppe fällt sicher für jeden herab!

Der See und seine Umgebung erscheinen mir plötzlich wie ein Spiegelbild der menschlichen Seele! Bestehend aus lebenspendenden Wassern, welche sowohl seichte Stellen wie auch Untiefen kennt; die Sonne aufnimmt, reflektiert und mit ihr spielt. Eingefasst von massiver «Berg-Physis» und undurchdringlichem Gestrüpp, welches an einigen Stellen zugänglich gemacht wurde. Hier kann man gar nicht anders, als sich selbst und dem Geheimnis des Lebens zu begegnen – dem Drachen kurz in die Augen zu schauen – und dann leicht und behände weiter zu tanzen, weil die Seele verstanden hat, dass sie geliebt ist.