Lange bevor auch nur der erste Spatenstich für das Fundament erfolgen kann, muss der Boden analysiert und auf seine Qualitäten hin begutachtet werden. Wird er das kathedralähnliche geplante Gebäude tragen können? Metertiefe Schächte, das Verlegen von Abwasserkanälen. Grundwasser Ansammlungen und archäologische Grabungen geben uns Auskunft über die Erde; denn in der Nähe fand man schon vor 150 Jahren Hügelgräber und die Gegend gilt als historisch bedeutsame Zone.

Bevor also IN DIE HÖHE gebaut und mittels spektakulärer Architektur Aufsehen erregt werden kann, geht es IN DIE TIEFE hinab. Auf den Grund. Hier mühen sich Arbeiter verschiedenster Sprachen, damit der «babylonische Turm» erstehen kann (geplant ist u.a. ein spektakulärer Forschungsturm des Kinderspitals).

Das Grundwasser muss umgeleitet und die Grube trockengelegt werden. Es braucht grosse Rohre und Betonplatten, die bereits am Rande stehen. Es ist faszinierend, denn die Wiese vorher, durch welche sich eine schmale Schneisse als Fussgängerweg zog, wird bald verschwinden.

Dingen auf den Grund zu gehen und auch das Grundwasser selber können Metaphern für ein tieferes Nachdenken sein.

Auf welchem GRUND stehen wir in unserem Leben eigentlich? Welches Wasser – von welcher Quelle – speist uns? Was wollen wir aufbauen, was sind unsere Grundlagen? Für wie lange konzipieren wir unsere Entwürfe?

Die grossen Weisheitsbücher der Menschheit lehren uns, sehr gut auf unser Fundament und die Ausrichtung unseres Strebens Acht zu geben. Schneller Erfolg oder Prestige, wird die kommenden Stürme nicht überstehen. Das gilt für äussere wie innere Gefahren.

Auch die Archäologie trägt das Ihre dazu bei, indem sie uns aufzeigt, dass schon in der Bronzezeit Menschen sich an dieser Stelle (Balgristgebiet Zürich) an Kohlefeuern und Feldern abmühten. Es soll einen breiten und langen befestigten Weg gegeben haben, dessen geordnete Steinbrocken noch heute Zeugnis geben (diese wurden entfernt und sollen später im neuen Kinderspital an einer Stelle wiederaufgebaut werden). Auch Tonscherben und Bronzeschmuck wurde aus der Erde hervorgeholt. Jede Epoche glaubte sich als fortschrittlich und hochstehend! Doch sie vergingen, mit ihren Spuren und Nachlässen. Was wird von unseren Plänen übrigbleiben?

Das Handwerk der Menschen früher steht also in einer Art überdimensionalen Dialog mit dem Handwerk heute. Alle Geschichten werden fortgeschrieben. Gerne würde ich einen Blick in die damalige Zeit werfen. Dort wo jetzt die Bagger stehen, haben sie gelebt und in der Nähe auch ihre Toten begraben. Nun soll es einen Neuanfang geben. Möge alles auf guten Fundamenten stehen und den Menschen und der Wahrheit dienen.

9.11.2017

(nach dem Zukunftstag aktualisiert, da dort eine Führung des archäologischen Leiters mit den Kindern und Interessierten stattfand)

Sabine Zgraggen