Es ist ein ruheloses Phänomen, welches sich beständig und überall zeigt: Die Baustellen des Lebens! Kaum ist ein Loch geschlossen oder gestopft, ein Gebäude hochgezogen, wird wieder neu abgezäunt, aufgerissen oder es geht nebenan weiter.

Mir drängt sich dieses Bild einer riesigen Baustelle als Metapher für eine Realität des Menschen schlechthin auf: Diese Welt und dieses Leben sind offen-sichtlich NICHT dafür bestimmt, sich an einer Stelle dingfest einzurichten. Dieses Leben hat offen-sichtlich NICHT zum Ziel, sich dauerhaft nieder zu lassen. Schon gar nicht auszuruhen.

Das Leben IST eine Baustelle. Die Seele windet sich darinnen. Sie stöhnt, wenn sie im Stau steht, sie wehrt sich, wenn es lärmt, sie schiebt sich an Zäunen und Absperrungen vorbei. Wir suchen den Stillstand – „doch ruhelos bleibt das Herz, bis es ruht in dir!“ (Augustinus).

Viele Menschen sind immer wieder enttäuscht, wenn „Störungen“ oder Baustellen auftreten. Sie nerven sich daran. Könnte es denn nicht einfach mal beständig ruhig, sachlich und rhythmisch weiter gehen? NEIN. Der Mensch, die Seele, die Gesellschaft, die ganze Welt – ja das Universum – sind auf Ausweitung/Selbstbegrenzung – Weiterentwicklung – wie auch immer definiert - aus. Darin steckt viel mehr als ein Störfaktor! Darin liegt ein tiefes und heiliges Prinzip des Lebens.

Es geht, nach allem was ich bis heute weiss, um das SEELISCHE Wachstum. Um Bewusstwerdung. Von mir aus auch „Menschwerdung“. Es geht darum, durch Störungen, Lähmungen, Blockaden – ob nun im äusseren – materialen Bereich – oder innerlich – hindurch zu schreiten. Sie zu integrieren und als Teil des Soseins, des Hierseins – des Lebens anzunehmen.

Eines ist sicher: Die nächste Baustelle kommt bestimmt. Auch wenn es unbequem ist, es ist der wertvollste Hinweis darauf, dass unser Leben und das Wachsen darinnen noch nicht zu Ende ist.

Selbst im Tod wachsen wir über uns hinaus. Auch wenn das Grab die nächste Grube bedeutet.